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Gaststätten

Geschichte der Cappenberger Gaststätten

Beiträge von Dr. Franz-Peter Kreutzkamp

EINLEITUNG

Neben den einmaligen Kunstwerken und der schönen Natur haben auch die Cappenberger Gaststätten ihren Anteil an der Bekanntheit des Ortes,so daß daß sie selbst im deutschen Bäderbuch erwähnt wurden. Sie boten schließlich schon im vergangenen Jahrhundert den Gästen, die nach Cappenberg kamen, einen gemütlichen Ort der Erholung und waren vielfach der Anreiz für Besucher aus dem nahen Ruhrgebiet, besonders aus Dortmund.

An sommerlichen Festtagen ließen die Gastwirte in den Kaffeegärten Militärkapellen aufspielen, zwei- und vierspännige Kutschen kamen von weither angefahren und Kremserwagen sorgten im Pendelverkehr für Verbindung zum Bahnhof in Lünen.

Diese Tage sind lange vorbei und einige der damals großen Gasthäuser existieren heute nicht mehr. Dieser Artikel soll allen, die sie noch gekannt haben, die Erinnerung wieder wachrufen und allen die sie nicht kennengelernt haben, einen Einblick in das Leben der Gastronomie des ehemaligen Luftkurortes Cappenberg vermitteln.

HOTEL KREUTZKAMP

Wer es nicht besser weiß, der sieht dem Fachwerk – Backsteinbau des Hotel-Restaurants Kreutzkamp von außen bestimmt nicht an, daß die Gäste heute im gleichen Raum am offenen Herdfeuer sitzen können wie im Jahre 1632, in dem die Familienchronik das Haus erstmals erwähnt.Damals waren die Übbenhagener Kolonen noch Leibeigene der Cappenberger Herrschaft, der Prämonstratenser Chorherren, und der Friede von Münster und Osnabrück ließ noch mehr als anderthalb Jahrzehnte auf sich warten. Von 1708 bis 1959 bewirtschaftete die Familie Kreutzkamp das Anwesen, ehedem Hennekens Kotten genannt, das durch die Heirat des Cappenbergischen Kammerdieners Johann Konrad Kreutzkamp mit der Witwe Catharina Schulte Alstedde geb. Hügers an sie kam.

Der große Kamin auf der Deele war der Mittelpunkt des Lebens in dem Haus und ist es bei gemütlichen Stammtischrunden, wie der “ Wilden Sau “ auch heute noch. Ein großer Silberpokal, der der Familie von den Kurgästen gestiftet wurde, erinnert daran, daß das Haus Kreutzkamp seit 1794 auch ein Logierhaus, oder, wie wir heute sagen würden, ein Hotel war.

Vom Aufblühen des wirtschaftlichen Lebens nach den napoleonischen Kriegen und dem Erwerb der Herrschaft Cappenberg durch den Freiherrn vom Stein profitierte auch die Familie Kreutzkamp. Immerhin war das Anwesen 1825 schon so groß, daß im Saal ein Fest zu Ehren der Vermählung der Tochter des Freiherrn vom Stein mit 80 Personen stattfinden konnte.

Zu dieser Zeit waren sowohl der Freiherr vom Stein, als auch seine Freunde aus Politik und Kultur, wie der Oberpräsident der Provinz Westfalen, Freiherr von Vincke, sowie Ernst Moritz Arndt und Goethe, auf Reisen Gäste des Hauses Kreutzkamp. Als der Oberförster Poock 1830 für den Freiherrn vom Stein die Königswürde beim Schützenfest errang, wurde dies im großen Rahmen bei Kreutzkamp gefeiert. Das Gemälde des Freiherrn, das damals nach Berichten der Dorfchronik umkränzt worden war, ist leider bei Plünderungen durch Besatzungstruppen nach dem letzten Krieg verloren gegangen.

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Haus durch mehrere An- und Umbauten im großen Stile erweitert. So entstand der Backsteinanbau, in dem sich heute der „Dorfkrug“ befindet und an den Saal wurde zum Garten ein Wintergarten angebaut. Dies war die Zeit von Engelbert Kreutzkamp, der sich als Wirt und Brennereibesitzer durch sein bewußt rustikales Auftreten im weiten Umkreis von Cappenberg einen Namen machte. Viele Dortmunder Geschäftsleute erzählen heute noch Dönekes, die ihre Großeltern bei Ausflügen nach Cappenberg mit Engelbert Kreutzkamp erlebt haben.

Cappenberg war im späten 19. Jahrhundert Luftkurort, und wurde gerade an den Wochenenden von vielen Besuchern aufgesucht. Das Haus Kreutzkamp wurde Kurhaus, in dem man an der „table d’haute“ speisen konnte.

Nach dem Tode Engelbert Kreutzkamps übernahm seine Tochter Maria, einigen älteren Cappenbergern noch als „Tante Mariechen“ bekannt, die Leitung des Hauses. In den Jahren bis zum Ende des 1. Weltkrieges wurde das Haus von Ausflüglern aus dem ganzen nördlichen Ruhrgebiet besucht und war nicht zuletzt für die Kinder der zahlreichen Verwandtschaft der Familie Kreutzkamp aus ganz Deutschland Reiseziel für die Ferien.

Am 27. April 1923 wurde das Hotel an Herrn Michael Leven, einen bekannten Lüner Bürger, verpachtet. Eine bis heute erhaltene Zeitungsnotiz berichtet über eine Feierstunde mit Anwesenheit der lokalen Prominenz.

Bis zum zweiten Weltkrieg bewirtschafteten die Familie Reberg und Christian König  als Pächter das Anwesen.

Nach dem Kriege diente dann ein Großteil des Hauses als Notunterkunft für Flüchtlinge und Vertriebene.

Letzter Pächter der Familie Kreutzkamp war Erich Düber.

Im Jahre 1959 erwarb der Kaufmann Karl Ebrecht das Anwesen und ließ es großzügig umbauen, wobei leider der Wintergartenanbau abgerissen und die alte Gestaltung des Saales stark verändert wurde. Seit 1960 gab der Pächter Hansi Schwarze dem Hotel Kreutzkamp eine persönliche Note, die das Haus wieder zum Ausflugsziel für Besucher der näheren und weiteren Umgebung machte, welche die gehobene Atmosphäre und hervorragende Küche zu schätzen wußten.

Mitte der 80er Jahre hat die Dortmunder Union Brauerei das Haus gepachtet. Für den gemütlichen Dämmerschoppen oder Stammtisch wurde der Dorfkrug im Anbau wieder geöffnet.

Leider hat die Dortmunder Union Brauerei das Hotel Kreutzkamp seit einigen Jahren nicht mehr verpachtet.

WALDSCHMIEDE-ASCHHOFF

Im Jahre 1874 erwarben Herr Max Aschhoff und seine Frau das Anwesen des Schmiedemeisters Schlief an der Borker Straße.

Eine Gastwirtschaft im landläufigen Sinne gab es damals noch nicht. Für die Kunden der Schmiede wurde die Möglichkeit einer Erfrischung geboten, während sie auf die Fertigstellung ihrer Aufträge in der Schmiede, wie z. B. das Beschlagen von Pferden, warteten.

In dem ehemals einstöckigen Haus diente eine große Marmorplatte als Schankfläche, wobei das Bier einfach aus einem Kupferhahn aus der Wand kam. Die erste Gaststube bestand aus einem Gang mit einem Tisch und hatte eine Größe von 4 Quadratmetern, wobei die Gäste nach Erzählungen von Herrn Willi Aschhoff teilweise auf den Treppenstufen des Hauses sitzen mußten.

Der alte Kupferhahn existiert sogar heute noch und erinnert an die Anfänge der Aschhoffschen Wirtschaft.

Mit der Zeit waren diese räumlichen Gegebenheiten aber bei weitem nicht mehr ausreichend. Im Jahre 1898 wurde die Wirtschaft daher durch den Anbau des Saales erweitert. In diesem Saal und einem angebauten Festzelt fand dann das Schützenfest des Jahres 1911 statt.

1914 wurde das Haus um zwei Etagen aufgestockt und in den Jahren 1927-28 durch den Anbau der Bühne an den Saal in seiner heutigen Größe vollendet.

Im gleichen Jahr als die Bühne fertiggestellt wurde, vernichtete ein Brand die alte Schmiede, die in der Folgezeit wiederaufgebaut wurde.

In den 50 er Jahren übernahmen Willi Aschhoff und seine Frau Hedwig die Wirtschaft, die jetzt durch Umbauten ihr heutiges Aussehen erhielt.

Die Gaststätte dient seit dieser Zeit, den sich intensiv entwickelnden Vereinen und Parteien als Vereinslokal und Versammlungsort. Für die Bedienung sorgte Fräulein Hilde Aschhoff, allen Cappenbergern als „Tante Hilde“ bekannt. Im Januar finden alljährlich die Aufführungen der Spieschar der Kolpingfamilie auf der Bühne des Saales statt.

1983 zog die Familie Aschhoff sich aus dem Geschäft zurück und verpachtete die Gaststätte an die Familie Hundsdiek. Diese bewirtschaftete das Haus bis 1988 eine schwere Krankheit den allseits beliebten Walter Hundsdiek zwang, sich zur Ruhe zu setzen.

Von 1988 bis 1991 war das Haus an Frau Ingrid Milhan verpachtet.

Von 1991 -1999 wurde die Gaststätte Waldschmiede-Aschhoff von der Familie Brückner bewirtschaftet.

Anschließend wurde die Waldschmiede von der Familie Wohnrade und Rolf Koch und dann von Christian Cordes geführt.

Seit dem 01.04.2003 ist die Gaststätte Waldschmiede geschlossen.

Im Dezenber 2008 ist die Gaststätte Waldschmiede wegen gravierender Baumängel leider abgerissen worden.

CAPPENBERGER HOF – SCHLOSSKLAUS

Im Jahre 1840 eröffnete der Graf von Kielmannsegge in Cappenberg eine der ersten Brauereien in Norddeutschland, die Bier nach bayrischer Art herstellten. Schon 1843 war daraufhin die Einfuhr bayrischen Bieres im Dortmunder Raum stark zurückgegangen und die Cappenberger Brauerei konnte sich mit der Unionbrauerei in Dortmund messen. Für den Ausschank des Cappenberger Bieres wurde am Löwentor ein Gasthaus errichtet, das den Namen Cappenberger Hof erhielt. Erster Pächter dieses neuen Lokals wurde ein Herr Bäumer, dessen Nachkommen heute in Lünen als Kaufleute tätig sind. In den Jahren 1876 und 1879 konnte der Gastwirt Hütwohl gegen den Protest eines Teils der Schützen dann das Schützenfest im Cappenberger Hof ausrichten.

1887 hielt im Cappenberger Hof ein neuer Wirt Einzug. Dies war der weithin bekannte, biedere und Geselligkeit liebende Franz Wilhelm Lönne aus Beckum, der mit den Cappenbergern auch besser auskam, als der Rheinländer Hütwohl, so daß das Schützenfest 1899 im allgemeinen Einvernehmen in seinem Lokal gefeiert werden konnte.

Eine Postkarte aus dem Jahre 1908 erwähnt Herrn August Schildt als Pächter des Cappenberger Hofes.

Bis 1921 blieb die Gaststätte in dem Gebäude am Löwentor. Dort gab es einen ruhigen Hotelbetrieb und Gasträume für bis zu 20 Personen und eine Gartenwirtschaft im Sommer.

In Folge der kommunistischen Aufstände im Ruhrgebiet wurde eine Hundertschaft der Schutzpolizei auf Cappenberg stationiert. Um diese unterzubringen wurde das Gebäude des Cappenberger Hofes beschlagnahmt und erst beim Abzug der Polizei am 29.10.1924 wieder geräumt.

August Schildt verlegte seine Gastwirtschaft unter Beibehaltung des Namens in das ehemalige Lindemannsche Wohnhaus, das dem Kaufmann Langkopf gehörte.

Nachdem Albrecht Graf von Kanitz die Herrschaft Cappenberg geerbt hatte, erwarb er das verkaufte Brauereigelände und damit auch den neuen Cappenberger Hof zurück, wobei die Gastwirtschaft dort verblieb und in der Folgezeit weiter ausgebaut wurde. Letzter Pächter des Cappenberger Hofes war Christian König, der einige Jahre früher schon das Hotel Kreutzkamp bewirtschaftet hatte.

1951 wurde das Haus nach einer umfassenden Renovierung unter dem Namen Schloßklause wiedereröffnet.  Die Schloßklause wurde von vielen Wanderen aus den Wäldern und den Mitgliedern der benachbarten Reitervereine und des in den 60 er Jahren gegründeten Tennisclubs besucht, da man von der Kaffeeterasse einen wunderschönen Ausblick ins Tal hatte.

Leider wurde der Gastronomiebetrieb Ende der 70 er Jahre eingestellt.

HAUS ZUMBUSCH

Der Bergassessor Heinrich Janßen erwarb im Jahre 1906 den Benningschen Kotten an der Borker Str. 6 und erbaute sich dort eine wunderschöne Jugendstilvilla. Nach seinem Tode im Jahre 1919 zog seine Witwe in die Dortmunder Wohnung der Familie um, da ihr das Haus auf Cappenberg zu groß war.

Dieses wurde in den folgenden Jahren mehrfach vermietet. 1924 zog dort der Chemiker Dr. Zumbusch mit seiner Frau Käthe ein.

Da diese aber sehr bald nicht mehr in der Lage waren ihre Miete zu zahlen, errichteten sie eine Art Privatclub, in dem man die Abende in kleiner Runde in einer „flotten“  Atmosphäre verbringen und sich bei Bedarf in ein  „chambre separée“ zurückziehen konnte.

Da der Familie Janßen die Nutzung ihres Hauses in dieser Form mißfiel, wurde dem „Etablissement“ gekündigt und Dr. Zumbusch mietete 1928 die Villa Overbeck an der Borkerstr. 14 an.

Hier blühte das Geschäft weiter bis in die 30 er Jahre.

HOF STRUCKMANN

Auf einem sehr schön gelegenen Plateau zwischen Cappenberg und Lünen erstreckt sich heute das kleine Baugebiet Struckmannsberg.

Auf diesem Plateau befand sich der Hof Struckmann.

Dieser gehörte zu den großen alteingesessen Höfen Cappenbergs.

Hier erichtete der Landwirt Heinrich Struckmann um die Jahrhundertwende – erhalten ist eine alte Postkarte aus dem Jahre 1900 – eine Sommer- und Gartenwirtschaft mit Pensionsbetrieb.

Dieses erhielt den Namen Schöne Aussicht.

Das Lokal war bei den Wanderern wegen seiner malerischen Lage sehr beliebt und von der Kaffeeterasse des Hauses hatte man einen wunderschönen Ausblick bis nach Lünen hinunter. Nach dem Tode Heinrich Struckmanns führte seine Witwe Heinriette geb. Schulze-Berge den Betrieb bis zu Beginn des 1. Weltkrieges weiter. Währende des Krieges wurde der Hof an die Herrschaft Cappenberg verkauft.

Aus der Zeit nach dem Krieg existiert eine Postkarte, auf der B.Schulze Thier als Pächter des Lokals, das jetzt Waldesruh hieß , bezeichnet wird.

Wie lange dieses noch auf dem Struckmanns Hof bestand,konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Bekannt ist jedoch, daß das Hofgebäude in den späten 20 er Jahren durch einen Brand vernichtet wurde.