Unsere Sponsoren

Immobilien Löer GmbH
Anstehende Termine

Neueste Meldungen

Schützenbote Online

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten mit dem Schützenboten Online schnelle und aktuelle Informationen rund um den Schützenverein.

Freiherr von und zum Stein

Freiherr von und zum Stein

MINISTER FREIHERR VOM UND ZUM STEIN AUF CAPPENBERG

von Kreisheimatpfleger Pfarrer i. R. Stephan Schnieder
Seppenrade (früher Cappenberg), im Oktober 1957

Wenn die Wiege des Ministers auch nicht in Westfalen gestanden hat – er wurde am 26. Oktober 1757 in Nassau geboren – so dürfen wir im Kreise Lüdinghausen ihn doch als unseren Landsmann betrachten. 15 Jahre hat er seinen Wohnsitz auf Cappenberg gehabt. Wenn seine großen Pflichten und Aufgaben ihn auch oftmals aus der Stille Cappenbergs in das politische Leben hinausriefen, so weilte er doch am liebsten in Cappenberg.  „In dem einsamen, waldigen Cappenberg lebe ich so abgeschieden von der Welt und ihrem Treiben, daß mich nichts zu stören vermag in dem Genuß der Natur und des Landlebens.“ Aus seinen Briefen spricht immer wieder seine große Liebe zu Cappenberg.  „Und dann werde ich wieder in Cappenberg sein, worauf ich mich sehr freue.“ „Endlich bin ich in meinem ruhigen mit Wald begüterten Cappenberg wieder angelangt.“

Als zur Napoleonischen Zeit das linksrheinische preußische Gebiet an Frankreich fiel, verkaufte vom Stein einen Teil seiner nassauischen Besitzungen und erwarb dafür die Herrschaft Birnbaum an der Warthe, in der Provinz Posen (1802).  Im Jahre 1814 sollten die um den Staat Preußen verdienten Feldherren und Staatsmänner mit Landgütern belohnt werden.  Auch vom Stein wurde aufgefordert, Wünsche zu äußern. Zugleich mit Gneisenau entschied er sich für den Johannesberg im Rheingau. Aber diese herrliche Besitzung, wo der berühmte Wein wächst, wurde dem österreichischen Minister v. Metternich zugesprochen.  Darauf ließ v. Stein durdi einen seiner Mitarbeiter Umschau halten unter den Gütern im Westen, und der empfahl ihm das ehemalige Prämonstratenserkloster Cappenberg.  Aus der Zeit seiner Hammer Tätigkeit kannte der Minister diese herrlich gelegene Besitzung. Als Oberpräsident von Westfalen war er im April 1803 persönlich in Cappenberg gewesen. Er ging also auf diesen Vorschlag ein, und das um so lieber, weil er auf diese Weise wieder in die ihm liebgewordene Provinz Westfalen und in die unmittelbare Nähe der Grafschaft Mark kam, wo er die besten Jahre seines Lebens verbracht hatte.  Er setzte sich mit dem preußischen Finanzminister in Verbindung, und als dieser sich mit dem Plan einverstanden erklärte, reichte er ein Gesuch beim König von Preußen ein.  Dieser genehmigte durch Kabinettsorder vom 21.  Juni 1816 den Tausch der Propstei Cappenberg mit der Herrschaft Birnbaum. v. Stein sah in dem Erwerb Cappenbergs eine Fügung der göttlichen Vorsehung, weil ihm damit neue Aufgaben gestellt wurden und er vor der Untätigkeit, die die letzten Jahre seines Lebens hätte verbittern können, bewahrt blieb.

„Der Tausch von Cappenberg gegen das entfernte Birnbaum brachte mich zurück nach Westfalen, an das mich so viele Erinnerungen banden, in Berührung mit alten erprobten Freunden.“ Von seiner Vorliebe für Cappenberg ließ er sich auch von seinen besten Freunden nicht abbringen.  Feldmarschall Gneisenau z. B. schrieb ihm: „Daß Sie sich auf Ihrer westfälischen Burg so ganz absperren und ein, einsames Leben führen, kann ich nicht billigen“, und v. Gagern: „Ich weiß Sie nicht gern allein in Ihrer schönen Wildnis.“ Aber Ernst Moritz Arndt, der wie kaum ein anderer die Regungen seiner Seele kannte, urteilte anders über v. Steins Vorliebe für Westfalen und Cappenberg. In seinen Wanderungen und Wandelungen erzählt Arndt von dem Minister: „Gar anders war das Gespräch und die Stimmung Steins in Cappenberg, im Lande der alten Sachsen.  Für dieses Land Westfalia hatte Stein eine ganz besondere Zärtlichkeit; er hatte dort ja die rüstigen, kräftigen Jahre seiner Jugend verlebt. Aber sein deutsches Gemüt fand in dem Lande und in den Menschen desselben, den echtesten Enkeln des gewaltigen Sachsenstammes, so vieles übrig, was in den meisten Landen des Vaterlandes ausgelöscht oder verlebt war, so vieles von echtesten, ältesten deutschen Sitten und Gebräuchen und Rechten in der Gemeinde wie im Hauswesen, in der Tagelöhnerhütte wie in den Schlössern und Palästen der Reichen und Adeligen, was ihn anheimelte. Er war mit diesem Lande der Roten Erde in innigster Liebe verwachsen; vor allem lobte er das westfälische Bauernwesen mit den festgeschlossenen Höfen, eine Art eigentümlichen Majorats, wodurch des ältesten Urgroßvaters Hof immer sicher auf einen seiner Urenkel hinabkam.“

  1. Stein hatte die Westfalen in den verschiedensten Teilen ihres Landes kennen und schätzen gelernt, aber nirgends war die Bevölkerung ihm so sympathichi wie im Münsterlande.  Die Münsterländer nannte er „ein ernsthaftes, nachdenkliches, redliches Volk, das seine Verfassung liebt, weil es sich wohl darunter befand, ruhig und unabhängig lebte, wohlhabend wurde“.  Als der Oberpräsident
  2. Vincke ihn als Landtagsmarschall einführte, hob er rühmend hervor, „daß der ehrwürdige Mann durch innere Anhänglichkeit, durch Achtung und Liebe für die Bewohner Westfalens ein Westfale geworden sei“. v. Steins Leibarzt Wiesmann sagt von ihm: „Das Volk der Westfalen war dem Minister teuer.  Es war die Wahl seines Herzens gewesen, sich unter ihnen einzubürgern.  An dem Münsterländer gefiel ihm besonders das selbstbewußte Auftreten, der eigentümliche schwerfällige Stolz, der sich auf dem Gefühl seines bedeutenden Wohlstandes gründete.“ Als Harkort einmal auf Cappenberg weilte und den alten Freund seiner Familie fragte, warum er diesen einsamen Sitz der Burg seiner Väter an der Lahn vorzöge, erhielt er zur Antwort: „Ich liebe die Leute nicht, die sich dort für einen Gulden außer Atem laufen. Wenn ich hier meinen geringsten Nachbarn nicht grüße, so grüßt er mich auch nicht.“

Der Sorge, daß Arbeitslosigkeit seine letzten Jahre verbittern könnte, wurde der Minister enthoben.  In Cappenberg stand er vor der großen Aufgabe, das alte, verfallene Kloster in einen wohnlichen Zustand zu versetzen. Nachdem der Generalvikar v. Fürstenberg 1770 den Plan gefaßt hatte, das Kloster Cappenberg aufzuheben – dieser Plan wurde allerdings damals noch vereitelt – waren die Stiftsherren im Kloster sich klar darüber, daß über kurz oder lang das Ende bevorstehe.  Sie hatten keinerlei Neigung mehr, für die Instandsetzung der Gebäude noch Geld aufzuwenden und ließen alles schwimmen in dem Bewußtsein „nach uns die Sündflut“.  Nach der Aufhebung des Klosters am 25.  Februar 1803 fiel Cappenberg an Preußen.  Nach der Niederlage Preußens bei Jena und Auerstädt (1806) kam es an Frankreich. Noch im selben Jahre wurde es dem Großherzogtum Berg zugesprochen und nach dem endgültigen Sturz Napoleons kam es wieder an Preußen. Dieser häufige Wechsel der Besitzer hatte einen fortschreitenden Verfall des Klosters im Gefolge, und als

  1. Stein im August 1816 zum ersten Mal in Cappenberg war, um sich seinen neuen Besitz anzuschauen, fand er dort nur eine notdürftige Unterkunft.
  2. Steins erste Sorge war, für sich und seine Familie eine vorläufige Wohnung herzurichten.  Außer dem Hauptgebäude, der ehemaligen Propstei, gehörten zu der alten Klosteranlage ein Kornspeicher, ein Brauhaus, ein Backhaus, ein Turm mit Gefängnis, ein Torhaus und Pferdeställe. Die erste Anordnung, die der Minister traf, war die Instandsetzung des Daches auf dem Propsteigebäude. Im Innern des Hauses mußten, da die alten Klosterräume teils zu klein, teils zu groß waren, Wände abgebrochen oder neue aufgeführt werden. Diesem ersten Plan stellte sich sofort eine große Schwierigkeit entgegen: Die Cappenberger Maurer waren durchweg anderswo beschäftigt, und auswärtige Maurer fanden in Cappenberg nur schwerlich Unterkunft und Verpflegung, weil wegen der Hungersnot, die nach der Mißernte vom Jahre 1816 eingesetzt hatte, niemand sie in Kost nehmen konnte. Zudem fehlte es an den notwendigen Baumaterialien. Der Kalk z. B. mußte auf einem fast unfahrbaren, siebenstündigen Weg von Münster geholt werden.  Trotz aller Schwierigkeiten aber gedieh die Arbeit doch so weit, daß im Juni 1817 der Rentmeister Geisberg von Werne nach Cappenberg übersiedeln konnte.  Der Minister wachte mit größter Sorgfalt über den Fortgang der Arbeiten und gab immer wieder persönliche Anweisungen.  In seinem Wohnzimmer ließ er einen Kamin anlegen, „damit sich seine Gäste daran setzen und die Freuden des flammenden Feuers, seiner Unterhaltung, Leitung usw. genießen könnten“.

In dem östlichen Flügel des eigentlichen Klostergebäudes waren die Viehställe und der Heu- und Strohboden untergebracht. Wegen der damit verbundenen Feuersgefahr entschloß v. Stein sich, sie zu verlegen. Im Dezember 1819 schrieb er an Geisberg: „In Coblenz wurde die Nachricht verbreitet, Cappenberg sei abgebrannt, doch schien sie mir ganz unwahrscheinlich.  Empfehlen Sie aber doch allen sorgfältige Aufmerksamkeit auf Feuer und Licht in Haus und Stall.“ Für den Sommer 1822

ordnete er die Verlegung der Ställe und der Heu- und Strohböden an.  Das Brauhaus und den Gefängnisturm ließ er gleich nach der Übernahme abbrechen.  Das Gartenhaus wurde zum Archiv eingerichtet. Das Archivgärtchen gegenüber dem westlichen Eingang der Kirche erinnert noch an das ehemalige Archiv. Das Sekretariat aus der Klosterzeit wurde zu einer Wohnung für den katholischen Geistlichen und das frühere Waschhaus zur Schule umgebaut.  In das Torhaus wurde ein Pförtner gesetzt, „der das Tor warten, Nachtwache halten, die Stunden abblasen und den inneren Hof rein halten und wenigstens wöchentlich zweimal fegen sollte“.

Wie die Klostergebäude so war auch der Klostergarten aufs ärgste vernachlässigt und verwildert.  Hier griff der Minister sofort ein. Der Garten war mit Korn eingesät und der Klosterhof mit Kartoffeln bepflanzt.  Er stellte einen Gärtner an, der unter Aufsicht des Oberförsters Poock das Gartenwesen zu besorgen hatte. Er ließ einen Plan ausarbeiten, nach welchem der Garten aufgeteilt und bepflanzt werden sollte. Für die Sämereien und Pflanzen sorgte der Minister meistens selbst, wie er sich denn überhaupt um jede geringfügige Kleinigkeit selbst kümmerte.  Hinter dem Propsteigebäude lag die ehemalige Reitschule der Stiftsherren. Weil sie aus guter Erde bestand, ließ er sie umpflügen und in den Garten einbeziehen; den Hopfengarten, in welchem zur Klosterzeit die für die Bierbrauerei notwendigen Hopfen gezogen wurden, ließ er in eine Baumschule umwandeln.  Um die Baumzucht zu heben und die Obstkultur zu verbreiten, bestimmte er, daß ein Teil dieser Baumschule der Volksschule zu Cappenberg überlassen werden sollte, damit die Jugend auch auf diesem Gebiete unterrichtet würde.

Am Schloßberg legte der Minister nach der Südseite hin Terrassen an und bat einen benachbarten Gutsherrn, „seinen Gärtner nach Cappenberg zu schicken, um sie mit Bäumen und Sträuchern kunstmäßig auszupflanzen“. Die alten Lindenbäume auf dem Schloßplatz (dem jetzigen Park) ließ er schlagen und an deren Stelle fremdländische Bäume, für die er eine besondere Vorliebe gehabt zu haben scheint, anpflanzen, wie z. B. Ahorn, Tulpenbaum, Bohnenbaum, Weimutskiefer, Platane, Akazie, weiße und schwarze amerikanische Walnuß, Pyramidal-Eiche, zwei japanische Haselnußbäume u. a. Wenn Jahr für Jahr Tausende von Besuchern sich dieses sdlönen Parkes erfreuen, mögen sie nicht vergessen, daß es der Minister v. Stein gewesen ist, der ihn geschaffen hat. – Auch dem schon in der Klosterzeit angelegten und mit Damwild besetzten Tiergarten wandte der Minister seine besondere Sorgfalt zu. In einem Schreiben an seinen Oberförster heißt es: „Die im Tiergarten nach meinen Bestimmungen ausgeführten Verschönerungen freue ich mich sehr zu sehen. Sie erinnern sich, daß wir im Tiergarten Gruppen von fremden Waldbäumen setzen wollten. Der Tiergarten kann ohne große Kosten allmählich schön werden; wir bedürfen noch der Anlage mehrerer unter Dach gebrachter Sitze.“ Die letzten Damhirsche, die sich im Tiergarten tummelten, sind die Jagdbeute der amerikanischen Soldaten geworden. Den größten Wert unter den Cappenberger Besitzungen stellten die Wälder dar, die sich in etlichen Tausend Morgen rings um das Kloster erstreckten und sämtlich in das Eigentum des Ministers übergingen.  Auch diese Wälder waren in der letzten Klosterzeit sehr vernachlässigt. Fast zweitausend Morgen Wald waren abgeholzt und nicht wieder aufgeforstet worden. Das schlechte Ergebnis des ersten Holzverkaufes, den der Minister abhalten ließ, überzeugte ihn, daß es geboten sei, der Erzielung eines besseren Holzbestandes besondere Aufmerksamkeit zu widmen.  Er sah sich nach einem tüchtigen Forstmann um, der „nicht nur in Büchern und aus Büchern den Wald kennen gelernt hatte, sondern nach einem, der im Walde erzogen war“.  In dem Oberförster Poock stellte er einen tüchtigen Forstmann an, der eine langjährige praktische Erfahrung hinter sich hatte und sich in seiner früheren Stellung gut bewährt hatte. Wenn noch heute die Cappenberger Wälder einen so guten Ruf haben und so vielen Besuchern immer wieder ein Erlebnis werden, so ist das letzten Endes auch wieder der Initiative des Ministers zu danken.

Wenn v. Stein auf Cappenberg weilte, pflegte er leutseligen Umgang mit all seinen Nachbarn.  Mit jedem, ohne Unterschied des Standes, unterhielt er sich, und seinen Beamten empfahl er, das gleiche zu tun.  Selbst in die ärmsten Hütten sollten sie gehen und mit den Leuten plaudern, womöglich in der plattdeutschen Sprache.  Wenn er auf seinen Spaziergängen Leute bei der Arbeit antraf, unterhielt er sich gern mit ihnen, und wenn Kinder ihm entgegen liefen, um ihm ein Händchen zu geben, drückte er ihnen jedesmal ein kleines Geldstück ins Händchen.  Durch solch leutseligen Umgang erwarb er sich bald allgemeines Vertrauen. Er war Ratgeber und Helfer in allen Angelegenheiten, und sein Personal auf dem Schloß war angewiesen, jeden bei ihm vorzulassen, der ihn zu sprechen wünschte. Häufig kehrte er auf den Bauernhöfen seiner Nachbarschaft ein und setzte sich an das Herdfeuer, um ein Stündchen mit dem Bauer zu plaudern.  Ernst Moritz Arndt, der wiederholt als Gast auf Cappenberg war, erzählt über den leutseligen Verkehr des Ministers mit den benachbarten Bauern: „Ich bin ein lebendiger Zeuge, wie traulich und freundlich dieser große Baron mit seinen Bauernnachbarn gelebt und verkehrt hat. Er war glücklich, freie, reiche Bauern um sich zu haben, wie er denn von Natur und aus Christengefühl der Freund und Beschützer aller Kleineren und der stille, verschwiegene Wohltäter der Armen war.“

Für das damals noch in hoher Blüte stehende Volkstum zeigte der Minister großes Interesse. An den Volksfesten nahm er gern persönlich teil.  Ein Jahr vor seinem Tode wurde er sogar Schützenkönig von Cappenberg. Der Oberförster und Rentmeister Poock hatte in v. Steins Namen den besten Schuß getan und so wurde der Minister in Abwesenheit zum König ernannt. Poock berichtete darüber an den Minister: „Die Teilnehmer am Feste haben sich sehr gut betragen und nicht allein recht oft die Gesundheit Ew. Exzellenz ausgebracht, sondern sogar das Gemälde bei Herrn Kreutzkamp mit schönen grünen Kränzen umwunden und behangen.“ Nach altem Brauch schenkte v. Stein der Schützengesellschaft eine Tonne Bier und drei Taler. Der Minister bekam dafür einen Hut geschenkt, den er seinem Rentmeister überließ.  Ohne Zweifel ist auf Veranlassung des Ministers in die damals neu entstandene Städteordnung ein Paragraph aufgenommen, der die Schützengilde als eine für jede Stadt notwendige Einrichtung vorschrieb.

Besonders gern war v. Stein den jungen Leuten zu ihrem Fortkommen behilflich.  Dem Sohn des Bäckers und Gastwirtes Kreutzkamp vermittelte er durch Fürsprache beim Oberpräsidenten v. Vincke eine Anstellung. Einem durch häusliche Verhältnisse sittlich gefährdeten Jungen verschaffte er eine Lehrstelle bei einem Glaser in Selm.  Immer wieder ließ er sich darüber berichten, wie der Junge sich aufführte. Als der Sohn des Kötters Empting mitten aus seiner Ausbildungszeit zum Militär einberufen wurde, sorgte v. Stein dafür, daß er als Soldat in der Garnisonstadt blieb und so viel freie Zeit bekam, daß er seine Ausbildung fortsetzen konnte.  An Rentmeister Geisberg schrieb der Minister: „Ich will ihm eine Unterstützung von monatlich 2 Talern zu seinem Unterhalt geben, dann will ich seine Lehrstunden bezahlen.“

Da die Gemüter infolge der Säkularisation noch immer erregt waren, wurde der protestantische Minister von den „hartkatholischen Münsterländern“ anfangs mit großem Mißtrauen aufgenommen.  Aber er hat es verstanden, schon bald das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Er. der Protestant, ließ den benachbarten katholischen Pfarrkirchen mancherlei Unterstützungen zukommen.  So gab er für die neue Orgel in der Pfarrkirche zu Selm 20 Taler. Für den Bau des neuen Kirchturms in Altlünen stellte er einen Eichbaum zur Verfügung.  Mit den katholischen Geistlichen der Umgegend pflegte er vertrauten Umgang.

Das größte Verdienst aber hat er sich um die Kirche zu Cappenberg und um die Entstehung der Pfarrgemeinde dortselbst erworben.  Bei der Aufhebung des Klosters hatte man der Bevölkerung von Cappenberg die Kirche zur Verfügung gestellt, ein Angebot, das die Cappenberger Bevölkerung dankbar annahm, zumal sie zu den in Frage kommenden Pfarrkirchen von Bork und Werne einen weiten Kirchweg hatte. Nach etlichen Jahren aber setzten bei der Regierung Bestrebungen ein, den Gottesdienst in der Cappenberger Kirche wieder einzustellen. Am 25. April 1806 teilte die preußische Domänenkammer der Bevölkerung von Cappenberg mit, daß die Kirche abgebrochen werden sollte.  Zum Abbruch kam es damals nicht, aber die Gefahr drohte immer noch.  Als das Gerücht auftrat, der Minister selbst sei es, der die Entfernung der Kirche betreibe, erklärte er öffentlich, „daß ich die Abbrechung der Kirche und die Aufhebung des Gottesdienstes mißbillige, da die Bevölkerung ein

Recht auf ihre Beibehaltung hat, weil mir der Vandalismus an Kirchen, Gräbern u. a. verhaßt ist, und weil ich endlich mir nicht den Unwillen meiner Nachbarn zuziehen will“. Ohne Zweifel geht die Kabinettsorder vom 22. Januar 1831, durch die dem Preußischen Staat die Pflicht auferlegt wurde, die bauliche Unterhaltung der Cappenberger Kirdie zu übernehmen, auf den Einfluß des Ministers zurück.

Es ist begreiflich, daß die Bewohner von Cappenberg den Wunsch nach einer eigenen Pfarrei hegten.  Alle dahin gehenden Bestrebungen unterstützte der Minister mit der ganzen Autorität seiner Persönlichkeit. Viele Jahre vergingen, ehe man zum Ziele kam. Die Angelegenheit drohte zu scheitern am Widerstande der Regierung, die die Ausgaben für die Kirche und den anzustellenden Geistlichen scheute.  Schließlich entsdilossen sich die Cappenberger zu einer Immediateingabe an den König von Preußen. Der Minister legte ein persönliches Schreiben bei, in welchem er dem König das Anliegen der Cappenberger dringend empfahl.  Schon einige Wochen später, am 27.  März 1831 wurde v. Stein vom Kultusministerium in Kenntnis gesetzt, daß der König seinem ergrauten, treuen Diener diese Bitte erfüllen wolle. Die Pfarrerrichtung selbst aber hat der Minister nicht mehr erlebt.  Er starb zu Cappenberg am 29. Juni 1831. Am 11. Mai 1832 erfolgte die Pfarrerhebung durch den Bischof Kaspar Max von Droste zu Vischering.

Im südlichen Querschiff der Pfarrkirche zu Cappenberg hängt eine Gedenktafel, die uns erinnern soll an des Ministers Freiherrn vom und zum Stein Verdienste um Kirche und Pfarrgemeinde in Cappenberg.

Als der ehemalige Oberbergrat und spätere Minister Karl Freiherr vom und zum Stein seinen Wohnsitz auf Cappenberg nahm (1816) konnte er nicht ahnen, daß die Bergwerke und Hütten in Zukunft einmal bis in die unmittelbare Nähe von Cappe nberg vorstoßen würden.  Heute ist es so weit. Heute liegt Cappenberg hart an der Grenze des Industriegebietes. Aber noch bildet die Cappenberger Landschaft mit ihren schönen Wäldern einen wohltuenden Gegensatz zum rauchgeschwärzten Kohlenpott“. Kein vernünftiger Mensch wird es bedauern, daß die Industrie im südlichen Westfalen eine solch ungeahnte Entwicklung genommen hat.

Aber man sieht heute längst ein und bedauert es aufrichtig, daß diese industrielle Entwicklung ungelenkt und ohne einheitliche Planung vor sich gegangen ist. So manches schöne, von der Natur gesegnete Fleckchen im Industriegebiet hätte in seiner ursprünglichen Naturwüchsigkeit erhalten werden sollen, das heute den gehetzten Menschen des Gebietes Ruhe und Erholung bieten würde. Die Menschen des verqualmten Ruhrgebietes dürsten nach Natur und Sonne, nach Licht und Luft, und da sie das alles daheim nicht finden, suchen sie es zu Tausenden in den schönen Wäldern von Cappenberg.

Quelle: Minister Freiherr vom und zum Stein auf Cappenberg v. Pfarrer i.R. Stephan Schnieder