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Cappenberger Wappen

DAS CAPPENBERGER WAPPEN

Beitrag von P. Altfried Kutsch OPraem, Pfr.

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Das Cappenberger Wappen , in seiner uns bekannten Form – roter Balken auf goldenem Schild – reicht zumindest in die Zeit der Gründer des Stiftes Cappenberg und damit in das 12. Jahrhundert zurück. Dafür sprechen die folgenden

 

Anhaltspunkte:

AUFBAU UND TINKTUR

In den Anfängen waren Wappen zunächst ritterliche Erkennungszeichen, die die Unterscheidung von Freund und Feind schon auf weite Distanz ermöglichen sollten. Daher waren Wappen ursprünglich durch sehr einfache Farbkombinationen und Schildteilungen gekennzeichnet. Erst in nachritterlicher Zeit kam dem Wappen mehr und mehr ein dekorativer Charakter zu, der eine feingliedrigere Ausführung und verstärkte Individualisierung von Wappenaufbau und -gestaltung zur Folge hatte. Das Cappenberger Wappen in seiner schlichten Gestaltung entspricht in erstklassiger Weise der frühen Form des Unterscheidungsmerkmals: Es beschränkt sich in der Tinktur ganz klassisch auf eine der vier heraldisch zulässigen Farben (hier: rot) und eines der beiden heraldisch zulässigen Metalle (hier: gold); den strengen Regeln der Heraldik entsprechend ist Farbe gegen Metall gesetzt; das Wappen trägt seine Tinktur in einer der einfachsten und ältesten Teilungen, dem Balken.

VORKOMMEN

In seiner Form der schlichten Wappenteilung durch einfachen Balken kommt das Cappenberger Wappen schon vor auf den beiden Grabdenkmalen der Cappenberger Grafen Gottfried und Otto in der Stiftskirche Cappenberg. Auf dem älteren Einzelgrabmal des Gottfried von Cappenberg (um 1155) ebenso wie auf dem etwas jüngeren Doppelgrabmal für Gottfried und Otto von Cappenberg (um 1315) tragen die dort in Stein gehauenen Stifterfiguren als Zeichen ihrer ritterlichen Würde jeweils frühgotische Schilde, die die gleiche Teilung aufweisen wie das obige Wappen. Wenngleich die ursprüngliche farbige Fassung der Steinskulpturen im Wesentlichen verloren ist, so lassen sich doch gerade am letzteren Grabmal noch leicht Anhaftungen der goldfarbenen Grundierung erkennen. Direkte Farbspuren auf dem Balken lassen sich zwar zumindest mit bloßem Auge nicht mehr feststellen, doch erscheint in der fotografischen Abbildung (siehe Bild 1) der Balken auf dem Schild auffällig dunkler gegenüber dem helleren Schildgrund. Ähnliches lässt sich erkennen bei zwei weiteren steinernen Stifterfiguren im südlichen Querschiff der Stiftskirche Cappenberg;: entsprechend ihrer Entstehungszeit tragen diese Figuren zwar Schilde in der Form, wie sie zur Zeit der Renaissance üblich waren, doch entsprechen Schildteilung ebenso wie der Hell-Dunkel-Effekt zwischen Schildfläche und Balken dem Erscheinungsbild auf den Grabmalen. Das Doppelgrabmal weist überdies das Cappenberger Wappen gleich viermal auf, denn neben den Schilden wiederholt es sich nochmals in den Schwertknäufen der beiden Ritterfiguren. Zumindest zwei weitere Vorkommen des Cappenberger Wappens lassen sich in der Stiftskirche finden: zum einen in dem Totenschild des Freiherrn von und zum Stein (ebenfalls im südlichen Querschiff) sowie im unteren Bereich des linken der drei neugotischen Chorfenster. Während das Wappen im Fenster in der klassischen Teilung zu sehen ist, erscheint es im Totenschild als Kombinationswappen mit dem Familienwappen von Steins und steht in Cappenberger Tinktur im 2. und 3. Feld eines gevierten Wappens.

Die Grafen Gottfried und Otto von Cappenberg

In abgewandelter Form erscheint das Wappen gleich auf mehreren in den Ordenshäusern des Prämonstratenserordens verbreiteten Gemälden des 16. und 17. Jahrhunderts als Verweis auf die Grafen von Cappenberg, und zwar in der sogenannten Ilbenstädter Fassung. Die Grafen Gottfried und Otto von Cappenberg haben praktisch zeitgleich mit ihrer Stiftung Cappenberg auch ihre Besitzung Ilbenstadt in der Wetterau in ein Stift des Prämonstratenserordens verwandelt. Das Wappen dieses Stiftes zeigt einen goldenen Schild mit zwei roten Balken, also die Cappenberger Farben in einer abgeleiteten Schildteilung. Dieses Ilbenstädter Wappen hat übrigens Eingang gefunden in das neuzeitliche Gemeindewappen von Ilbenstadt. Hier steht es im Schildfuß unter der silbernen Stiftsbasilika auf blauem Grund.

Eben dieses Ilbenstädter Wappen findet sich zu Füßen des HI. Gottfried von Cappenberg in seiner Darstellung auf einem Gemälde aus dem frühen 17. Jahrhundert, das im hiesigen Pfarrhaus aufbewahrt wird (siehe Bild 2). Die Zugehörigkeit Ilbenstadts zu den Cappenbergern lässt mir die Rückübertragung der dortigen Farbstellung auf das Cappenberger Wappen als zwingend logisch erscheinen, auch wenn die Steinskulpturen des 12. und 14. Jahrhunderts die originale Farbfassung zumindest mit bloßem Auge nicht mehr erkennen lassen.

Weihnachtsbild: 6 Chorherren des zu Weihnachten 1121

konstituierten Prämonstratenser-Orden beten das Kind in der Krippe an.

Überhaupt scheinen Tinktur und Teilung des Cappenberger Wappens bei neuzeitlichen Heraldikern unumstritten. So haben verschiedene Kommunen in jüngerer Zeit bei der Entwicklung eigener Wappen bewusst auf das Cappenberger Wappen zurückgegriffen und es in die eigenen Kommunalwappen eingebunden. Als Beispiele seien hier nur genannt der Ortsteil Bork der heutigen Stadt Selm und die Gemeinde Saerbeck. Die Blasonierung beider Wappen nimmt hierbei ausdrücklich Bezug auf die Farbstellung des Cappenberger Wappens.

ZUSAMMENFASSUNG

Es scheint  sicher zu sein, dass es sich bei dem so zu blasonierenden Wappen „Roter Balken auf goldenem Schild“ um das Wappen der Grafen von Cappenberg handelt, wie es über Jahrhunderte hinweg zur ikonografischen Kennzeichnung der Grafen Gottfried und Otto von Caprenhera genutzt wurde, und dass in Folge dieses jahrhundertelangen Gebrauchs dieses Wappen nach dem Aussterben des gräflichen Geschlechts Ende des 12. Jahrhunderts auch zu einem Identifikationszeichen der geografischen Region der Herrschaft Cappenberg geworden ist.

Quelle: Brief von Herrn P. Altfried Kutsch OPraem, Pfr. an Herrn Artur Teppler 05.11.2004